Handwerk Heidelberg Bauleistungen

Was kosten eigentlich Bauleistungen?

Der Preis von Bauleistungen erfährt man meist erst im Nachhinein, warum das so ist bzw. sein kann, zeige ich Ihnen weiter unten anhand von einer kleinen Insider-Geschichte aus der Praxis.

Im folgenden Artikel zeige ich Ihnen,

  • wie Sie Ihren Bauunternehmer / Handwerker des Vertrauens besser verstehen lernen
  • wieso Sie Pauschalangebote meiden sollten
  • weshalb Sie bei einer Abrechnung auf Stunde, Geld sparen können

Wie alles beginnt: Wir hätten gerne was gemacht…

Eigentlich ist es immer der selbe Ablauf.

Lediglich die Akteure auf der Bühne sind nur immer andere.

Bauunternehmer / Handwerker bekommt einen Anruf (Neudeutsch: Erster Return on investment zu seinen online Marketing Actions).

Ein Angebot soll erstellt werden.

Kunde in spe beschreibt, was zu tun ist.

„Ein bisschen Aushub im Keller und so.“

„Sehr gut“ denkt sich der Unternehmer, denn „ein bisschen Aushub“ passt gerade super in den firmeninternen Bauzeitenplan.

Nun kommt sie, die entscheidende aller Fragen und gleich noch vor dem ersten Akt:

„Und was kostet das?“

Trommelwirbel. Große Erwartung. Stille.

„Das kommt darauf an“ entgegnet  es Ihnen.

Und in den meisten Fällen, wir es auch bei dieser Aussage bleiben.

„Das muss ich mir vor Ort mal genauer anschauen.“

Zack, Termin ausgemacht und auf zum vielleicht nächsten Auftrag.

Ein bisschen Aushub geht immer.

Ein Himmelreich für eine Kristallkugel

Kamera: Check.

Papier & Bleistift: Check.

Zollstock & Laser: Check.

Pünktlich zum Vororttermin und mit allem ausgestattet, was man so für ein erstes Aufmaß benötigt, begrüßt der Auftraggeber unseren Bauunternehmer freundlich vor seinem Haus.

„Keller“ hieß es, aber der Keller befindet sich einen gefühlten Trimmdich-Pfad aufwärts.

Hanggrundstück mit Blick auf den Neckar.

Im Kopf sucht sich der Bauunternehmer schon mal den passenden Faktor zusammen, mit dem er auf Grund des erhöhten „Schleppaufwands“ (im Angebot dann schnöde als Transport vor Ort tituliert) zu rechnen hat.

Je nach Charakter hat der Bauunternehmer nun Angst oder Vorfreude.

Angst, weil er jetzt schon ungefähr ahnen kann, in welche ungeahnte Höhen sein Angebot schießen wird und das es darauf das typische „So teuer? Wollen Sie das ganze Haus abreißen?“ ernten wird.

Vorfreude, weil er aus o.g. Grund so richtig schön an der Preisschraube drehen kann. Umstands bedingt.

Gehört unser Bauunternehmer zum ersten Typ und ist mit ein wenig Empathie ausgestattet, wird er vermutlich noch Mitleid mit seinen Facharbeitern haben.

Auf der Treppe stehend, dreht er sich noch kurz um. Das Herz pocht in seinen Ohren. Verdammt dünn die Luft hier oben.

„Wo stell ich eigentlich den Container hin?“

Eine schnittige Einbahnstraße, gerade mal so breit, dass ein Traktorreifen hindurch rollen kann.

Dann vielleicht doch ins Hochbeet? Die Edelrosen und Päonien lachen sich schon in´s Fäustchen.

„Kranbar?“ Kein Platz und zu teuer. Außerdem ist gerade Somme und alle Kräne sind außer Haus.

Also, wieder mal gute alte Handarbeit.

Oder Beinarbeit, wie man´s nimmt.

Nicht mal mit einer Kristallkugel hätten wir die Frage „Und was kostet das?“ beantworten können…

Haben Sie ein Baugrundgutachten? Oder: Ein Himmelreich für eine Röntgenbrille

Endlich angekommen.

Stark schwitzend und laut keuchend nähert sich unser Bauunternehmer dem Gipfel seiner Bemühungen.

Die knarrende Holztür geht auf.

Ein alter Holzschuppen, der einstmals als Apfellager benutzt wurde.

„Hier entsteht eine moderne Bedienstetenwohnung mit Blick auf den Neckar“ hallt es aus dem Auftraggeber, während seine Augen glitzern und sein Mund breit grinst.

„Der Boden da muss aber vorher raus.“

Der Bauunternehmer zückt seinen Laser, misst die Höhe von der Oberkante des Rohfußbodens bis zur Unterkante Türsturz.

„1,74m“

„Gibt es Vorgaben vom Architekt bzgl. der Aushub tiefe?“

„Architekt? Wir machen alles selbst!“ ertönt es stolz.

In diesem Moment schmeißt der mentale Bagger unseres Unternehmers Granitsteine in seine Magengrube.

„Okay. Haben Sie ein Baugrundgutachten oder haben Sie an anderer Stelle schon mal einen Aushub gemacht?“

„Nee, nur ein paar Rosen eingepflanzt, aber hier in der Gegend soll wohl des öfteren mal gesprengt worden sein. Hier beißen Sie auf Granit.“

Ein leichter Schwindel überkommt unseren Bauprofi.

Der Boden des Apfellagers ist wohl stellenweise betoniert, stellenweise einfach mit Sandsteinen oder Ziegeln verdichtet.

Die Aufbauhöhe in Bezug zum schon bestehenden Türsturz fest bzw. viel zu gering.

Zudem wurde vom Zimmermann eine Zwischendecke eingezogen, weil die alte nach einem Dachschaden und unzähligen Regenfällen über die Jahre hinweg ihre Tragfähigkeit aufgegeben hat.

Grundfläche ca. 30 Quadratmeter.

Wir resümieren:

  • Enge Einbahnstraße
  • Hanglage
  • 100 Meter Transportweg in beide Richtungen
  • Kein Kran, keine Lagerfläche
  • Fertighöhe festgelegt
  • Bodenklasse: unbekannt

Preisfrage: Und was kostet das nun?

Die Antwort : Das kommt darauf an.

(Wie lange die Erfindung der Röntgenbrille noch dauert)

Große Erwartung. Stille.

Auf dem Boden der Tatsachen ankommen

Von allen Faktoren, ist die Bodenklasse in diesem Beispiel der entscheidende.

Sollte unser Unternehmer tatsächlich auf Granit stoßen, kann er getrost mit dem Faktor 3,4 rechnen.

Granit hat den „Vorteil“ in seinen oberen Schichten relativ weich zu sein.

Das lässt die Hoffnung zu, dass man nur mit kurzzeitigem Widerstand zu rechnen hat.

Falsch gedacht.

Die Hoffnung stirbt hier zuerst.

Und danach kommt erst der harte Part.

Granit ist mit einer Gesteinsdichte von 2,5-2,7 to / cbm extrem zäh und mühsam für Mensch und Maschine.

In welchem Dilemma befindet sich unser und alle anderen Unternehmer in der gleichen Situation?

Option 1:

Unser Unternehmer geht von einer leicht bis mittelschwer zu lösenden Bodenklasse aus, wie man es „normalerweise“ erwarten könnte hat aber im Hinterkopf, dass es eventuell Schwierigkeiten in Form von Granit geben könnte.

Zuschlagswahrscheinlichkeit: 70-90%

Option 2:

Auf Basis der Vorinformation „wir könnten auf Granit beißen“, erstellt der Unternehmer ein Angebot, welches die Ohren des Auftraggebers zum Schlackern bringen.

Zuschlagswahrscheinlichkeit: 40-50%.

In beiden Fällen wird ein Angebot auf Spekulationsbasis kalkuliert.

Klar, die Nachbarschaft wurde halb in die Luft gesprengt bei den Aushubarbeiten, aber woher weiß der Unternehmer, welche Vorarbeiten im Erdbereich des Apfellagers getätigt wurden?

Wurde für die Fundamentarbeiten der Aushub entsorgt oder im Erdreich verdichtet?

Wie sah die Beschaffenheit des Geländes vor der Gründung aus?

Würde überhaupt ein Aushub vorgenommen und wenn ja, wie tief?

Dafür bräuchte unser Unternehmer tatsächlich einen glasklaren Blick durch die Röntgenbrille.

Bei Bauleistungen über Geld sprechen

Als Auftraggeber fragen Sie rollen bedingt immer nach dem Preis bzw. Geld.

Als Unternehmer bzw. Planer sollten Sie das auch tun.

Wenn Sie nicht bereits bei der Grundlagenermittlung zu den gewünschten Bauleistungen nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des Auftraggebers fragen,  begehen Sie nach nach dem BGH-Urteil vom 21.03.2013, NJW 2013,1593 einen Fehler und Schadensersatz kann die Folge sein.

Hat der Auftraggeber sehr konkrete, aber von der Realität der Machbarkeit abweichende Vorstellungen, ist es vielleicht besser, den Auftrag abzulehnen.

Klären Sie Ihren Kunden über die Problematik auf.

Spielen Sie die verschiedenen Szenarien gemeinsam durch und reden Sie Klartext.

Aus 1700€ können ganz schnell 4700€ werden.

In der Altbausanierung springen die Preise, eben weil man nicht absehen kann, was sich hinter/unter dem Offensichtlichen verbirgt.

Die Krux des Bauunternehmerdaseins.

Warum Sie als Auftraggeber Pauschalangebote für Bauleistungen meiden sollten

Pauschalangebote haben einen Vorteil: Sie sind bequem.

Sie haben eine feste Obergrenze und dadurch können Sie nachts besser schlafen.

Würden Sie auch nachts noch besser schlafen können, wenn ich Ihnen sagte, dass Sie bei der Variante „geht auf Stunde“ vielleicht 10-30% an Kosten einsparen können?

Der Unternehmer muss so vorgehen:

Er muss möglichst viel Puffer in das Angebot kalkulieren, damit er sich mit dem Auftrag nicht in die Nesseln setzt.

Natürlich muss das ganze irgendwie noch realistisch sein, denn schließlich schläft die Konkurrenz nicht.

Pauschalangebote sind immer eine schwierige Angelegenheit.

Im Rahmen von 5000-10.000€ kann man das noch machen.

Größere Summen sind schwieriger im Detail zu planen und daher kalkulatorisch riskant oder schlagen dermaßen über die Strenge…

Haben Sie natürlich einen eher bequemen Unternehmer vor sich und dieser schlägt Ihnen vor das nach „Aufwand und Verbrauch“ abzurechnen gehen bei Ihnen natürlich die Alarmglocken an.

Eine leise Stimme in Ihrem Hinterkopf flüstert Ihnen „Da will sich einer eine goldene Nase verdienen“ zu.

Wie Sie Zeit, Geld und Nerven bei der Ausführung sparen

Das ist etwas, das ich meinen Kunden immer direkt sage: Je klarer Ihrer Vorstellungen bzgl. der endgültigen Qualität sind, desto konkreter kann geplant werden.

Je niedriger das Budget in Relation zum Aufwand ist, desto spitzer muss der Bleistift sein.

Setzen Sie sich vor Ihrem Termin hin und visualisieren Sie das Endergebnis.

Das macht es für beide Seiten leichter.

Tipp: Je größer das Projekt, desto mehr lohnt es sich zu visualisieren.

Und noch etwas: Die Krux an einem Pauschalangebot ist auch, dass Auftraggebern „unterwegs“ häufig noch eine Änderung einfällt, die aber so nicht im Leistungsverzeichnis LV aufgeführt war.

Gute Unternehmer lassen das mal unter den Tisch fallen und schreiben keinen Nachtrag.

Hier können Mehrkosten auf Sie zukommen.

Fazit

„Und was kostet das tatsächlich?“

Darauf gibt es auf Grund diverser Faktoren meist erst hinterher eine genaue Antwort.

Seien Sie als Auftraggeber realistisch und als Bauunternehmer offen und klar in Ihrer Kommunikation.

Über Geld muss gesprochen werden und zwar gleich zu Beginn.

Lassen Sie sich Pauschalangebote nur geben, wenn Sie nachts ruhiger schlafen möchten und Sie ein oder zwei Euro „Verlust“ nicht weiter stören.

Liefern Sie so viele Informationen wie möglich.

Wie alles im Leben ist die Antwort eine Ermessensfrage.

Es kommt eben darauf an.

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Quelle Foto: Unsplash@Philip Swinburn

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