Die wichtigsten Regeln zum rechtssicheren Umgang mit Siebenschläfern in Ihrer Immobilie

Sie sind stolzer Besitzer eines 50er Jahre Backsteinhauses.

Besonders stolz sind Sie auf die Geschichte des Gebäudes.

Denkmalgeschützt.

Gute Abschreibungsmöglichkeiten.

Ein charmanter Hingucker.

Gerade das Dach macht dem Denkmalschutz alle Ehre, denn hier und da weht gerne mal ein laues Lüftchen durch den Speicher.

Nicht weiter tragisch?

Nunja.

Und dann raschelt es im Oberstübchen.

Bald fiept, kratzt und trampelt es im Oberstübchen.

Dinge scheinen sich zu bewegen. Im Oberstübchen.

Jetzt gibt es meist nur zwei Möglichkeiten:

Poltergeister oder Siebenschläfer.

Sollten Sie an paranormale Phänomene glauben, rufen Sie bitte die Ghostbusters an oder bewerben sich mit Ihrer Geschichte bei X-Factor- Jonathan Frakes wird dann zielsicher über Wahrheit oder Lüge entscheiden 🙂

Für die langweiligere Erklärung des nächtlichen Lärms, haben wir die wichtigsten Infos für Sie in aller Kürze zusammengefasst.

Was Sie als Hausbesitzer über den rechtssicheren Umgang mit Siebenschläfern wissen müssen

Ein bisschen kleiner als ein Eichhörnchen, grau-weißes Fell, große Kulleraugen, ca. 30 cm lang, buschiger Schwanz und ca 150g schwer.

Was muss da schon groß beachtet werden?

Fangen und fertig.

Fast.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 39, Stand 25.3.2002, sind wildlebende Tiere und deren Lebensräume geschützt.

Gemäß der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) gilt der Siebenschläfer als besonders geschützte Tierart.

Also doch nicht einfach mal so einfangen?

Mit dem Siebenschläfer kommt die Verantwortung in´s Haus.

§ 42 BNatSchG untersagt das Nachstellen, Fangen, Verletzen und Töten von wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten, sowie das Entnehmen, Beschädigen oder Zerstören ihrer Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten.

Look, but don´t touch.

Wird schwierig, wenn die kleinen Nager die teure Isolation zum Mitternachtssnack verputzen und überall ihre Hinterlassenschaften verstreuen.

Ein Verstoß gegen diese Schutzbestimmungen kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden (§ 65 BNatSchG).

Ausnahmen und Befreiungen von den Schutzbestimmungen dürfen nur von den zuständigen Behörden für Naturschutz und Landschaftspflege ausgesprochen werden (§ 62 BNatSchG).

Was also tun?

Telefonieren Sie sich zunächst mit der unteren Naturschutzbehörde Ihrer Gemeinde und / oder mit dem zuständigen Förster zusammen.

In der Regel wird er Ihnen mit einer Lebendfalle helfen oder sogar selbst zur Tat schreiten.

Können Sie die kleinen Poltergeister nicht dulden, müssen Sie mitunter eine Menge Geduld beim Einfangen mitbringen.

Wie man einen Siebenschläfer artgerecht fängt / vertreibt

In der Praxis scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben, einen Siebenschläfer zu expatriieren.

Vertreiben oder fangen.

Im Internet gibt es allerlei Tipps und Ratschläge zum Thema vertreiben.

Hier die wirklich nützlichen:

  • Weihrauch

Ja, das ist alles.

Siebenschläfer sind sehr scheu und lärmempfindlich, aber selbst durch Dauerbeschallung mit Schlagermusik konnten sie nicht beeindruckt werden.

Die Verwendung von Räucherstäbchen hat tatsächlich schon Erfolge erzielt, da die glis glis (lat.) über ein überempfindliches Geruchsorgan verfügen.

In diesem Fall (wie in allen anderen auch) sollten Sie aber sicher sein, dass kein Nachwuchs zurückgelassen wird, der ohne das Muttertier jämmerlich verenden würde.

Und: Sie müssen nach der Flucht alle ungewollten Zugänge verschließen.

Mal abgesehen von dem massiven Defizit auf Ihrem Karmakonto, würde ein penetranter Verwesungsgeruch Ihnene ebenfalls die Laune verderben.

Checken Sie alle Leitungen, die ins Freie führen.

Siebenschläfer quetschen sich sogar durch den Spalt zwischen Zuwasserleitung und Isolation in das Innere eines Hauses.

Zum Einsatz sog. repellierender Substanzen können wir nichts sagen.

Wer suche, der findet im Internet eine betreffende Seite, die mit einer patentierten weißen Substanz wirbt.

Leider mit sehr mäßigen Bewertungen.

Dass die kleinen Nager durch eine koksartige, übelriechende und zudem juckende Substanz laufen, die noch dazu überall an ihnen kleben bleibt und sie derart zum Wahnsinn treiben soll, dass sie die Flucht ergreifen, finde ich alles andere als artgerecht.

Das erinnert eher an Pablo Escobar zu seinen besten Zeiten.

Filmreifer fail.

Was Sie tatsächlich benötigen:

  1. Eine Lebendfalle, die groß genug ist
  2. Ein Lockmittel (Äpfel und Bananen haben sich bewährt, da sie voll mit wichtigen Lipiden sind, die die kleinen Tierchen in der Massephase vor´m Winterschlaf benötigen)
  3. Geduld

Welche Lebenfalle wirklich funktioniert, kann ich Ihnen an dieser Stelle nicht sagen.

Das müssen Sie mit Geduld herausfinden.

Egal ob simpler Wippmechanismus oder hochmoderne Laserschranke- aus eigener Erfahrung wissen wir, manchmal braucht es einfach ein bisschen Erfindergeist.

Oder einen Bekannten, der bei IBM arbeitet.

Siebenschläfer sind nicht nur flink und klettern glatte Wände hoch, sondern kapieren ruckzuck den Mechanismus einer Falle.

Sie klettern einfach an den Wänden der Falle entlang, schlagen sich die Bäuche voll und sind fort noch bevor der Gockel dreimal kräht.

Seien Sie also smart: Befestigen Sie das Lockmittel mit Hilfe von Erdnussbutter am Auslöser.

Das steigert Ihre Chancen die kleinen Einbrecher einzufangen.

Die Falle muss übrigens „groß genug“ sein, damit der Siebenschläfer nicht seinen Schwanz verliert, den er über eine Sollbruchstelle abwerfen kann, wie ein Schiff den Anker von Bord.

Siebenschläfer gefangen, was nun?

Fangen Sie einen Siebenschläfer im Winter, so müssen sie bis zum Beginn der nächsten Aktivitätsperiode im Käfig gehalten werden, da Freilassungsaktionen nur in den Monaten Mai bis September erfolgen dürfen.

Besitzen Sie keinen Hasenkäfig, der mit den nötigen Bespaßungsmitteln ausgestattet ist, erkundigen sich in diesem Fall beim örtlichen Tierheim, ob die Siebenschläfer dort abgegeben werden können.

Bei jeglicher Unsicherheit empfehlen wir Ihnen zunächst das Tierchen in einen großen Hasenkäfig  unterzubringen, mit Nahrung (Obst und Nüsse) zu versorgen und bei den zuständigen Stellen nachzufragen.

Stellen Sie eine Falle auf, haben Sie die Pflicht, diese auch mehrmals täglich zu checken.

Fahren Sie nie in den Urlaub, nachdem Sie eine Falle aufgestellt haben.

Das könnte Sie 50.000€ Bußgeld kosten. Inklusive Negativpunkte auf dem Karmakonto.

Alternativ können Sie auch einen Nistkasten bauen, sollten Sie keine hofeigene Scheune zur Verfügung haben.

Eine Bauanleitung für einen NABU-Kleinsäugernistkasten finden Sie hier.

Haben Sie das OK, ihren kleinen Besucher auszusetzen, müssen Sie folgendes beachten:

  • Wertvolle Lebensräume sind großflächige, zusammenhängende Laub- und Mischwälder mit Eichen, Buchen und Hainbuchen, aber auch naturnahe Gärten mit alten Obstbäumen oder dichten Hecken sowie Parklandschaften und Weingärten
  • Nie in reinen Nadelwäldern aussetzen
  • Fahren Sie mind. 10 km weit oder lassen Sie einen Fluss zwischen dem Aussetzungsort und Ihrem Zuhause. Die Nager finden Berichten zufolge auch über eine Distanz von 5-10 km wieder zurück
  • Geben Sie ihm einen Nistkasten, sowie ein Luchpaket mit
  • Fahren Sie regelmäßig vorbei und lassen Sie ein paar Snacks da. Es ist nicht sicher, ob er sich in der neuen Umgebung zurecht finden wird
  • September bis Mai ist Winterschlaf (Temp. zw. 5-10 Grad), siedeln Sie den Siebenschläfer vorher um

Ich sagte ja, mit dem Siebenschläfer kommt die Verantwortung in´s Haus.

Aber sind wir mal erlich: Es ist die natürlichste Sache der Welt, sich um Schutzbedürftige zu kümmern, oder?

Wie komme ich eigentlich dazu, über ein solch baufremdes Thema zu schreiben?

Nun, wir wurden selbst vor kurzem erst zeitweilig zu Adoptiv-Eltern eines Siebenschläfers.

Das kleine Ding hatte sich im Holzverschlag einer Sauna eines Auftraggebers eingenistet.

Wie geht man als Immobilienbesitzer bei den rechtlichen Bedingungen mit so einer Situation adäquat um?

Es ist wie immer: Wenn wir eine Frage nicht beantworten können, recherchieren wir solange, bis wir eine Antwort gefunden haben.

Offene Fragen im Immobilienbereich zu klären, ist nunmal Teil unserer Herausforderung.

Der Kleine wurde mit einem Apfel in einer selbstgebauten Falle (nicht von uns) gefangen und erstmal zu uns nach Hause transportiert.

Nachdem er ein paar Tage gut gefüttert in einem komfortablen Käfig verbracht hat, wurde er vor ein paar Tagen am Waldrand nahe eines alten Klosters und einer Scheune ausgesetzt.

Natürlich mit Nistkasten und Snacks.

Fazit

Siebenschläfer stehen unter Schutz.

Seien Sie also behutsam im Vertreiben und Fangen der Tierchen.

Benutzen Sie keine dubiosen Mittelchen aus dem Internet.

Vermeiden Sie alles, was die kleinen Einbrecher bedrohen könnte.

Ziehen Sie einen Förster zu Rate.

Guter Rat ist teuer und Zuwiderhandeln mit einem hohen Bußgeld belegt.

Die kleinen Nager können Sie dennnoch kostengünstig einfangen und artgerecht umsiedeln.

Checken Sie regelmäßig Ihre Immobilie von außen und innen.

Mit der Zeit eröffnen sich „neue Wege“ in´s Haus für Untermieter, die keine Miete zahlen.

Vorallem, wenn Sie einen großen Garten mit Obstbäumen am Waldrand gelegen Ihr eigen nennen, sollten Sie Ihr Haus regelmäßig einer Sichtprüfung unterziehen.

Entfernen Sie Klettermöglichkeiten und führen Sie gewissenhaft Ihren Rückschnitt aus.

Entsteht der nächtliche Lärm auf dem Dachboden weder durch Siebenschläfer, noch durch Mader, sollten Sie vielleicht doch lieber die Ghostbusters rufen.

Weitere informative Ratgeber finden Sie unter:

https://www.nabu.de/ratgeber/siebenschlaefer.pdf

http://www.tierschutz.com/publikationen/wildtiere/infothek/mb_siebenschlaefer.pdf

http://www.sz.ch/documents/SiebenschlaeferimHaus.pdf


Foto @wikipedia

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