Bauplanung

Ankaufsprüfung bestanden, Hauskauf abgeschlossen und für einen Umbau entschieden. Das größte Problem ist jetzt: Wo fangen Sie überhaupt an? Lesen Sie nun die 7 Grundlagen für eine erfolgreiche Projektumsetzung Ihrer Bauplanung.

Als Jung-Investor kaufen Sie Eigentum und am Anfang müssen Sie alles alleine machen.

Sie akquirieren, kalkulieren, kaufen, renovieren, bauen um, sanieren, richten ein, inserieren, reinigen und verwalten.

Selbst wenn Sie keinen aufwändigen Umbau über mehrere Stockwerke vorhaben, müssen eine Sache ebenfalls selbst in die Hand nehmen: Die Planung.

Es sei denn, Sie können sich einen Architekten leisten, der für Sie den Großteil der Planungsarbeiten erledigt und alle Gewerke akquiriert, organisiert und delegiert.

Im Normalfall und besonders, wenn Sie noch am Anfang stehen und sich erst einmal an kleinere Projekte herantasten, führen Sie doch alles in Eigenregie aus und sind sogar obendrauf noch der Handwerker.

Sie verfügen über bautechnische Grundkenntnisse und sind ansonsten das, was man landläufig als „handwerklich begabt“ bezeichnet.

Good for you.

Damit keine Mehrkosten durch doppelte Ausführung entstehen, muss eine relativ detaillierte Ablaufplanung erstellt werden.

Relativ, weil sich erfahrungsgemäß immer wieder „Zwischenfälle“ ereignen, die Sie dazu zwingen werden, spontan die Richtung zu ändern.

Bei kleinen Umbauten von 20-25 qm Appartements ist das nicht weiter dramatisch- sollte man meinen.

Shakespeare hätte über solche Begebenheiten sicher kein Stück verfasst.

Dennoch sollten Sie sich folgenden Leitsatz einprägen:

Je kleiner das Projekt, desto mehr Aufmerksamkeit müssen Sie investieren.

Natürlich muss, wenn Sie ein Mehrfamilienhaus wieder in Schuss bringen, ebenfalls alles an seinem Platz sein und dabei noch gut aussehen.

Bei kleineren Projekten, wie z.B. Badsanierungen von 4-5 Quadratmetern, tendiert man schnell dazu, zu unterschätzen.

Ganz nach dem Motto „Geht schnell, kost´ nix“.

Ha.

Falsch.

Ganz falsch.

Dauert immer länger, als geplant und kostet was.

So, genug Schwarzmalerei betrieben.

Nun die Zaubermittel, die Ihnen helfen, strukturiert vorzugehen, dabei noch Zeit und Geld zu sparen!

1. Möglichkeiten ermitteln

Bei Ihrer ersten Besichtigung hatten Sie schon so ein wohliges Gefühl im Bauch.

Hier kann Potential geweckt werden!

Von der Küche in´s Bad und dahinter eine viel  zu große Abstellkammer.

Das Wort „Grundrissänderung“ schießt Ihnen subito in den Kopf.

Ist die Zwischenwand statisch relevant?

Falls ja, können Sie zumindest eine Öffnung vornehmen, die ca. 1/3 der Wandbreite jedoch mind. 60-70cm betragen sollte.

Vorausgesetzt wir bewegen uns ab Baujahr 1980, Stahlbetonbau.

Wenn Sie unsicher sind, sprießen Sie bei den Abbrucharbeiten die Decke ab und ziehen einen Fertigteilsturz ein.

Machen Sie es wie die Statiker, arbeiten Sie mit 200% Sicherheit.

Woher wissen Sie denn überhaupt, dass eine Wand Lasten abträgt oder zumindest als aussteifende Scheibe wirkt?

  1. Beziehen Sie Ihren Statiker / Architekten mit ein
  2. Beachten Sie die Deckenspannweiten in Breite und Länge
  3. Achten Sie auf Mauerstärken
  4. Schauen Sie in die Statikpläne
  5. Lesen Sie die Geschichte der Konstruktion

Punkt 1, 2 und 3 sind auch für Laien leicht verständlich.

Bei Punkt 4 ist wichtig zu wissen, dass Tragwerksplanung auch 11,5cm starke Wände in die Statik mit einbeziehen können.

Sie haben z.B. zwei Zimmer parallel zueinander mit gleicher Ausrichtung zur Straße angeordnet.

Spannweite 5,50m.

Die Badwände, die in einer Linie zur Ausrichtung der Zimmer verlaufen, können in Bezug auf die Decke wie eine „Verzahnung“ wirken und sind somit relevant.

Lassen Sie sich also nicht von der Größe oder Stärke von scheinbar unscheinbaren Trennwänden blenden.

Ausführung auf Basis falscher Annahmen kann Sie teuer zu stehen kommen.

„Einfach machen“ geht hier nicht.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet.

Oder die Verbindung eben lösen will.

Was ist nun damit gemeint, die „Geschichte der Konstruktion“ zu lesen?

Sie entfernen allseitig die Fliesen inkl. Fliesenkleber bis auf das Mauerwerk.

Die (auf den ersten Blick) tragenden Trennwände orthogonal zum Hausflur sind aus 24,0cm KS Vollstein gemauert.

Die zu entfernenden Trennwand zwischen Bad und Kammer sind aus 11,5 cm KSV.

Die Wände zu den Zimmern hin bestehen aus Porenbeton.

Ist die 11,5 KSV Wand nun tragend oder nicht, nur weil Sie „dünn“ ist?

Die Konstruktionsweise sollte Ihnen zur Vorsicht raten.

Wieso sollte ein Maurer den schwereren KSV verwenden, wenn er auch mit Porenbeton arbeiten kann?

Die Antwort: Weil er eine Vorgabe erfüllen muss.

Ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis. (Aber hausieren Sie nicht damit)

Klopfen Sie mal an die Wand, die Sie entfernen möchten.

Eine Wand, die Lasten abträgt, schwingt unter Lasteinwirkung, wenn Sie dagegen klopfen.

Sie spüren quasi die Spannung der Wand.

Alles keine 100% zuverlässigen Tipps, aber auf diese Art können Sie mit relativ geringem Aufwand herausfinden, welche Möglichkeiten sich Ihnen bieten.

2.Visualisierung

Die Grundlagen und Möglichkeiten sind ermittelt.

Nun können Sie relativ zuverlässig planen.

Jetzt machen Sie folgendes.

Machen sie Fotos, skizzieren Sie ein Aufmaß und setzen Sie sich zu Hause in aller Ruhe hin.

Und dann schließen Sie die Augen.

Leistungssportler oder generell erfolgreiche Menschen tun das genauso.

„Start with the end in mind“.

Wie soll Ihr zukünftiges Bad 8bleiben wir bei dem Beispiel) aussehen?

Möchten Sie eine Zwischendecke mit Spots einziehen?

Welche Fliesen müssen Sie dann wählen, um eine entsprechende Raumwirkung zu erzielen?

Wo sind die Zu- und Rückläufe?

Passen diese zu Ihren Grundrissvorstellungen?

Visualisieren Sie vor Ihrem geistigen Auge, wie Sind in Ihr neues, fertiges Bad hineingehen.

Wie immer gilt: Je deutlicher die Vorstellung, desto einfacher die Ausführung.

3.Fertigen Sie eine Grundrissskizze an

Sie haben die Maße, Sie haben die Vorstellung.

Jetzt fügen Sie beides zusammen.

Malen Sie ein bisschen.

Skizzieren Sie auf einem DIN A4 Blatt die Konstruktionsflächen.

Positionieren Sie Ihre Wunschobjekte und achten Sie dabei auf die einzuhaltenden Abstände.

Für die Badplanung können Sie auf das Planungshandbuch der Firma Geberit hier zugreifen.

Für allgemein Gesetze der Bauentwurfslehre greifen Sie am besten auf den „Neufert“ zurück.

Hier finden Sie alle relevanten Daten zur Raumplanung- und Gestaltung.

Tragen Sie nun auf Basis der notwendigen Abstände alle Infos in den Grundriss ein.

4.Realitätscheck

Was auf dem Zettel gut aussieht, passt in der Realität häufig schwer zusammen.

Nehmen Sie Bleistift, Zollstock und fangen Sie an Ihren Rohbau zu bemalen.

Messen Sie mit einem Laser alles auf und zeichnen Sie die relevanten Punkte an.

Wenn Sie damit fertig sind, visualisieren Sie in Ruhe.

Passt das alles?

Erzeuge ich auf wenig Platz das Gefühl von Raum?

Wenn Sie diese Frage unter Verwendung Ihrer Wunscheinrichtung positiv beantworten können, haben Sie die erste Schlacht gewonnen.

Dann kommt die Ausführungsvorbereitung.

5.Von oben nach unten

Habe ich die Stelle mit dem Abbruch schon übersprungen? Ja?

Ich war zu voreilig.

Rakete eben.

Schreiben Sie auf:

  1. Räumung
  2. Flächen abkleben, Verkehrs-und Lagerflächen schützen
  3. Baustelle einrichten
  4. Demontage
  5. Abbruch
  6. Entsorgung
  7. Ordnung machen, Platz schaffen
  8. Feste Plätze für Baustoffe, Werkzeug und Arbeitsbereiche zuweisen
  9. Materiallieferung (alles von einem in ausreichender Menge, stoßweise je nach Lagermöglichkeit)
  10. Ausführungsplanung

Von oben nach unten können Sie nicht nur auf den Abbruch beziehen (es gibt auch Ausnahmen), sondern ebenfalls auf den Wiederaufbau.

Möchten Sie zum Bsp. die Tapete entfernen und auf die Rohdecke einen schönen Edelputz samt Anstrich mit Silikatfarbe aufbringen möchten, beginnen Sie am besten von oben.

Sie markieren sich den Fliesenspiegel und ziehen die untere Putzkante wenige Zentimeter unterhalb.

Der Vorteil: Sie sparen sich das aufwändige abkleben / schützen der neuen Flächen.

Stellen Sie sich vor Ihr Bad ist fertig, Sie müssen nur noch verputzen und streichen…

Genau.

Hat keiner Bock drauf, weil unnötiger Aufwand und Sie verschmutzen nur wieder alles.

Verschmutzen bedeutet reinigen.

Zeit ist Geld.

6. Behalten Sie den Überblick

Das ist die wichtigste Grundlage überhaupt.

Folgende Fragen sollten Sie sich als Checkliste einmalig anlegen, ausdrucken und täglich prüfen:

  1. Sind alle Baustoffe in ausreichender Zahl auf Lager?
  2. Stimmen die Fertighöhen der Vormauerungen, Abläufe, Zuleitungen usw.?
  3. Sind alle Datenblätter, Skizzen und Pläne vor Ort für jeden ersichtlich?
  4. Stimmen Winkel und Abstände?
  5. Ist alles flucht-und lotgerecht?
  6. Wie sind die Lieferzeiten, falls noch Produkte fehlen?
  7. Stimmen die Maße der Produkte mit den Fertigmaßen überein?
  8. Kennen alle Gewerke den Ablauf- / Zeitenplan?
  9. Haben Sie die Zu- und Rückläufe / Zuleitungen und das Abwasser geprüft?
  10. Wissen Sie, wo alle Elektro- und Wasserleitungen laufen?
  11. Haben Sie Fotos von allen wichtigen Bauphasen gemacht?

Pause.

Kurz atmen.

Weiter geht´s.

7. Schnittstellenkommunikation

Dieser Punkt verdient seine eigene Betrachtung.

Wie oft haben Sie schon gehört, dass bei einem Bauvorhaben etwas zugeschüttet, zugemauert, verputzt, verbaut und dann wieder zurückgebaut wurde?

Des öfteren oder?

Ganz ganz typisch.

Sie müssen eigentlich ständig vor Ort sein.

Planung und tatsächliche Ausführung unterscheiden sich immer etwas.

Häufig nennt man das auch Improvisation.

Bevor der Trockenbauer kommt, muss der Sanitärler geprüft werden.

Bevor der Fliesenleger kommt, muss der Trockenbauer geprüft werden.

Laufen Sie vor jedem neuen Schritt ein und prüfen Sie eingehend.

Immer mit dem Endziel im Auge.

Immer mit der Kamera in der Hand.

Fazit

Ihr shortcut to success in wenigen Stichpunkten:

Ermitteln Sie die Möglichkeiten.

Visualisieren Sie das Endziel.

Skizzieren Sie den Grundriss.

Stellen Sie Ihre Wünsche der Realität gegenüber.

Gehen Sie von oben nach unten vor.

Behalten Sie den Überblick.

Machen Sie alle Informationen für jeden frei zugänglich und kommunizieren Sie klar und unmissverständlich.

Vergewissern Sie sich immer, dass die Informationen wie gewünscht beim Sender angekommen sind.

In diesem Sinne

Fröhliches umbauen,

Ihr Marcus Schettler

 


Foto by unsplash@ Hope House Press

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2 thoughts on “Bauplanung: 7 einfache Schritte zur perfekten Umsetzung Ihrer Bauprojekte”

  1. Uwe Andreas Pringsauf

    Hi Marcus,

    war auch für mich wieder interessant zu lesen! Einige Dinge hätte ich möglicherweise beim eigenen Umbau übersehen… (Grins)
    Fazit: Gut, weiter so!

    LG
    Uwe A. Pringsauf

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